Impostor-Syndrom und Peter-Prinzip

Die menschliche Psyche ist ein wunderbar und rätselhaft. Und zuweilen auch echt anstrengend. Nehmen wir das Impostor-Syndrom. Das untenstehende Diagramm von Joshi und Mangette (2018) beschreibt, wie es funktioniert: Menschen haben den Eindruck, andere zu betrügen, indem sie nur so tun, als wären sie kompetent, obwohl sie es in Wahrheit gar nicht sind. Als Resultat fokussieren sie ihre Anstrengungen auf Aufgaben, die mit Prestige verbunden sind. Die damit zusammenhängenden Erfolgsgefühle und positive Rückmeldungen werten sie jedoch ab: Sie erklären sie mit ihrer besonderer Anstrengung oder Glück. Kurz: Der Impostor-Cycle führt immer wieder zurück zum Gefühl, ein Impostor zu sein, also eine Rolle zu spielen, die man gar nicht einnehmen dürfte.

Das Impostor-Syndrom macht krank: Es korreliert mit Schuldgefühlen und Angst vor dem Versagen sowie mit Depressionen und Selbstzweifeln. Besonders verbreitet ist es bei Angehörigen Minderheiten, die ohnehin viel leisten müssen, um wahr- und ernstgenommen zu werden.

Wenn nun viele Menschen – besonders solche in anspruchsvollen Berufen – den Eindruck haben, ihr Erfolg sei eine Form von Betrug, so hat das systemische Gründe: Das Peter-Prinzip besagt (als eine wohl zu einfache Formel), dass in Hierarchien Angestellte so lange befördert werden, bis sie komplett überfordert mit ihren Aufgaben sind. Die Arbeit, so das Postulat von Laurence Peter, werde als von den Mitarbeitenden erledigt, die noch nicht in eine entsprechende Position versetzt worden sind.

Denkt man nun Syndrom und Prinzip zusammen, ergibt sich ein düsteres Bild: Wir arbeiten in Umgebungen, die von uns mehr verlangen, als wir leisten können – und uns dazu bringen, unzufrieden zu sein. Der Eindruck, Karriere machen zu müssen, sich etwas abzuverlangen, er führt nicht nur dazu, dass sich Systeme selber schwächen (Peter-Prinzip), sondern auch zum Gefühl darin arbeitender Menschen, unfähig zu sein.

Schulen und Universitäten befördern das Impostor-Syndrom und die damit zusammenhängen Krankheiten. Sie verlangen Lernenden immer mehr ab, als diese leisten können – sie schaffen Anreize für ungesunden Perfektionismus. Ein wichtiger Schritt ist, Zufriedenheit und psychische Gesundheit regelmäßig zu thematisieren und zu priorisieren. Lehrende isolieren zu oft die Leistung, die in ihren Kursen erbracht werden muss, von den Umständen, unter denen Lernende sie erbringen können. Das sollte sich ändern.

Das Peter-Prinzip gibt es auch in der Version des Dilbert-Prinzips, weil in den Dilbert-Comics oft damit verbundene Arbeitssituationen auftauchen.

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